Ich liebe Papierkram. Eigentlich schon immer aber da gibt es auch noch eine Phase… Nun ja, lange war mir meine Geschichte unangenehm. Ich fühlte Scham. Ich bin ein Technik-Freak, Diplom-Kauffrau & habe jahrelang Finanz- & Controlling-Abteilungen aufgebaut und optimiert. Wie kann es sein, dass bei mir plötzlich Chaos im Papierkram herrscht?! Und wie kann es sein, dass ich die Digitalisierung verschlafe?!

Mehr verrate ich im Interview…

Aber von Anfang

Wenn ich zurück denke, zieht sich der Papierkram wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich liebe es Akten zu sortieren. Selbst mein erster Schülerjob hatte damit zu tun. Ich arbeitete in der Sparkasse und ich kann mich noch an das System der Ordner erinnern. Ich fand diese Ordnung, und alles mit einem Griff zu finden, großartig. Nach meinem BWL-Studium habe ich in meinen Jobs immer automatisch an Ordnung, Zeitersparnis und Vereinfachung von Routineaufgaben gearbeitet. An mir kommt kein aufgeblähter und komplizierter Prozess vorbei.

Lange ist es her

Aber mein erstes Ordnungscoaching-Projekt ist viel länger her. Ich ging damals noch zur Schule. Es war in den 90er. Wenige Jahre nachdem die Mauer fiel. Genau, ich bin in der DDR aufgewachsen und war 10 Jahre alt, als die Mauer fiel. Mit dem Mauerfall hat sich für meine Familie einiges geändert. Unter anderem war die Masse an Papierkram für meine Familie neu. Es wurden Versicherungen abgeschlossen, Kredite umgeändert, Sparverträge abgeschlossen, in Katalogen bestellt etc. Sicherheitshalber wurden alle Briefe und Unterlagen aufgehoben – für den Fall, dass man es noch einmal braucht. Am Besten so lassen, wie der Brief gekommen ist. Daher blieben einige Briefe im Umschlag. Wer wusste damals schon was wichtig war und wofür, damals wenige Jahre nach der Wende. Außerdem fühlte sich das Papier so schön an & alles sah schön aus.

Die Masse wurde zum Problem

Also kam alles in dieses Fach, das in der DDR-Schrankwand dafür vorgesehen war. Es war nicht groß und verständlicherweise reichte es bald nicht mehr. Es war alles dort an einem Ort und in Umschlägen und damit eigentlich ordentlich. Eigentlich, denn die Masse wurde irgendwann zum Problem. Wenn etwas gesucht wurde, musste alles raus aus dem Schrank & wurde auf dem Fußboden verteilt. Es fing das Suchen an, gefolgt vom Frust und im Idealfall mit einem Jubelschrei beendet. Mir kribbelte es in den Fingern, den Stapel an Briefen und Unterlagen zu sortieren und in Ordnern abzulegen.

Irgendwann durfte ich loslegen. An mehreren Wochenenden haben wir Umschlag für Umschlag angeschaut. Wir haben aussortiert, neu sortiert und ein System angelegt. Das System existiert noch heute. Es ist zeitlos. Es wird nicht mehr gesucht. Es wird nur noch gefunden.

Anders als meine Familie hatte ich mit meinen eigenen Unterlagen von Anfang mein System und Routine. Ich machte das gerne & Sonntag war mein Tag für Papierkram. Ich hatte hübsche und übersichtliche Ordner. Bei meinem Ferienjob in der Sparkasse hatte ich einen weißen Ordner mit Trennblättern und vorgegebenen Kategorien bekommen. Der Ordner sollte mich lange begleiten.

… BIS….

Das funktionierte alles sehr gut, bis ich in die USA ging. bzw. von dort wiederkam. Als ich 2011 in die USA entsendet wurde, wurde ich von meiner Firma mit einem Smartphone ausgestattet. Es war für meine geschäftliche Kommunikation. In Deutschland waren Smartphones zu der Zeit noch nicht üblich. Wir hatten Handys. Als ich 2013 wiederkam, waren Smartphones auch in Deutschland üblich und gehörten zum Leben – also nicht nur zum Business – dazu. Mit meinem Smartphone und der Möglichkeit von überall online zu gehen, konnte ich alles von unterwegs und nebenbei erledigen. Ich wartete nicht mehr bis zu meinem Papierkram-Sonntag. Schnell nebenbei – das sparte mir Zeit. Dachte ich!

Aber ich machte wirklich alles NUR noch nebenbei. Ich verlor nicht nur meine Sonntagsroutine, sondern auch meine Routine im Allgemeinen. Ich konzentrierte mich nicht mehr so intensiv auf die Themen. Ich machte es eben nebenbei. Und ich wurde faul. Ich konnte es ja immer machen – also auch morgen.

Ich baute einen unheimlichen Berg Unerledigtes auf. Mir fehlte der Überblick, der Durchblick, der rote Faden wie ich das Chaos SCHNELL in den Griff bekommen würde. Ja schnell, denn schnell und gleich waren zu der Zeit meine Lieblingswörter. Mir ging es wie meiner Familie in den 90er. Ich war den neuen Herausforderungen nicht gewachsen…

Neue Herausforderungen unserer Zeit

Papierkram gibt es in der Form nicht mehr. Schleichend verschwindet er aus unserem Leben. Digitale Post und neue Kommunikationswege sind nur wenige Jahre nach dem Start ins Smartphone-Zeitalter normal und alltäglich geworden. Als ich den Gedanken das erste Mal bewusst und laut dachte, kam ich mir so dumm vor. Ich dachte, ich bin die letzte Person, bei der der Groschen gefallen ist und die erst jetzt darüber nachdenkt ihr digitales Leben zu Ordnen.

Während ich noch mit meinen Altlasten in meinem Chaos Schrank, den unzähligen Blättern und Ordnern zu kämpfen hatte, spielte sich der neue Kram digital ab. Nachdem ich mit meinen Ordnern fertig war, widmete ich mich also dem digitalen Chaos. Es hat Monate gedauert bis ich mich durch den Berg durchgearbeitet hatte, bis ich verstanden habe wo sich meine digitalen Daten überall verstecken, bis ich auch die letzte SD-Karte, die letzte CD mit Daten gefunden und gesichert hatte. Ich habe gelöscht, gesichert, sortiert, Passwörter geändert, Accounts gelöscht und und und. Ich habe verschiedene Wege getestet, vermutlich jede Fehlermeldung mitgenommen und nun für mich einen einfachen & sicheren Weg für meinen digitalen Papierkram gefunden.

Mit jedem Tag auf dieser Reise zu meiner Ordnung im (digitalen) Papierkram, mit jedem Stück was ich geordnet hatte, fühlte ich mich freier, leichter & klarer. Den Papierkram-Sonntag gibt es auch heute nicht mehr. Dafür aber andere feste Zeiten, um das Chaos NIE wieder entstehen zu lassen.

„Entspannte Ordnung“ war geboren

Aus meiner Leidenschaft und meiner persönlichen Geschichte wurde meine Herzensbusiness geboren.

Ich fragte mich, wenn schon jemand, der diese Themen leidenschaftlich gerne macht & jahrelang beruflich gemacht hat, so ein unglaubliches Chaos aufgebaut hat – wie geht es wohl anderen. Anderen, die das Thema noch nie mochten, die das Thema immer vor sich her schieben, die Bauchschmerzen bekommen, wenn sie daran denken…

Also habe ich den Sprung in die Selbständigkeit gewagt & unterstütze Privatpersonen und Unternehmer bei ihrem (digialen) Papierkram. Ich gebe diese wundervolle Freiheit & Leichtigkeit weiter. Meine Mission ist es scheinbar komplizierte Themen verständlich und einfach zu machen. 

Wenn du dich täglich über Papierkram austauschen möchtest & Gleichgesinnte suchst, komme in meine geschlossene kostenlose Facebook-Gruppe. Mehr über Papierkram aber auch über meine kostenlosen Workshops erfährst du in meinem Newsletter. Melde dich gerne an. Ich freue mich auf dich! Wäre doch gelacht, wenn wir den Papierkram & digitalen Papierkram nicht bändigen.

Entspannte Grüße
Nadine

Nadine Hirte– Inhaberin der Ordnungsberatung „Entspannte Ordnung“ & Moderatorin vom Podcast OrdnungHOCHzwei.